Das Schul- und Bildungssystem Deutschlands

Bildung ist ein wichtiges Gut für ein selbstbestimmtes Leben. Gute Bildung ist der wichtigste Grundstein für Wohlstand und Fortschritt. In Deutschland sieht man Bildung nicht mehr als Aufgabe des Staates, sondern es ist längst Sache der gesamten Gesellschaft. Bildung entscheidet, wie Kinder ihre Zukunft meistern, ob sich Talente entfalten und neue Ideen entstehen können.

Das Schulund Bildungssystem in Deutschland zählt zu den komplexesten in ganz Europa. Gründe dafür liegen in erster Linie darin, dass das Thema Bildung den Bundesländern überlassen ist. Die Entscheidungen über Schularten und Schulabschlüsse liegt ganz bei den Bundesländern. Jedes Bundesland versucht, dasseiner Meinung nachbeste Schulsystem zu entwickeln. Fazit ist, dass manchmal identische Schularten und Schulabschlüsse total unterschiedliche Bezeichnungen haben.

Manchmal führen die unterschiedlichen Schulsysteme zu Missverständnissen. Beim Wegzug aus einem Bundesland kann es passieren, dass das Kind im neuen Zuzugsort eine Klasse niedriger eingestuft wird. Fakt ist, dass in Deutschland alle Kinder in die Schule gehen müssenes existiert die allgemeine Schulpflicht.

Die Schulpflicht beginnt für die Kinder in der Regel mit der Vollendung des sechsten Lebensjahres. Ab diesem Alter sind alle Kinder per Gesetz zum Schulbesuch verpflichtet. Im Ausnahmefall kann ein schulpflichtiges Kind allerdings für ein Jahr von der Einschulung zurückgestellt werden, nämlich wenn es im Rahmen einer schulärztlichen Untersuchung für nichtschulfähigbefunden wird.

Die Schulpflicht erstreckt sich in der Regel bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Sie besteht aus zwei Teilen: die sogenannte Vollzeitschulpflicht umfasst neun, manchmal auch zehn Schuljahre an einer allgemeinbildenden Schule, je nach Bundesland. Danach folgt für diejenigen Jugendlichen, die keine weiterführende allgemeinbildende oder berufliche Schule in Vollzeitform besuchen, die Teilzeitschulpflicht (auch Berufsschulpflicht genannt). Sie endet in der Regel mit dem Abschluss einer Berufsausbildung.

Kinder von 1 bis 6 Jahre

Schon im Alter von wenigen Monaten beginnt in Deutschland die Förderung der frühkindlichen Entwicklung. Sie ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Bildungsorientierung geworden. Die Eltern haben die Möglichkeit, ihre Kinder in der Kinderkrippe, bei einer Tagespflegeperson oder in einem Kindergarten betreuen zu lassen. In einigen Bundesländern gibt es auch eine Vorschule vor dem Schuleintritt. In allen Einrichtungen werden Bildungsangebote unterbreitet, jedoch sind diese nicht verpflichtend. Einige Statistiken belegen aber, dass 90 Prozent der 3- bis 6-jährigen Kinder in einer Tageseinrichtung betreut werden und die Bildungsangebote gern angenommen werden.

Mehrere Bundesländer setzen heutzutage den Akzent auf die frühkindliche Entwicklung und die Kultusministerien, in deren Zuständigkeitsbereich die Bildung aufgrund der Kulturhoheit der Länder liegt, planen mehr Geld ein und fördern zusätzlich mit Projekten die frühkindliche Entwicklung.

Grundschulbereich

Die kleinen Kinder werden in die erste Klasse der Grundschule eingeschult. Die Grundschule beinhaltet die Klassen 1-4. Danach wird entschieden, wie der Bildungsweg jedes einzelnen Kindes verläuft. Dies wird anhand der Noten und der persönlichen Entwicklung des Kindes zusammen mit dem Kind, den Eltern und der Schulleitung entschieden. Manchmal kann man ein Potenzial noch nicht richtig erkennen und muss dann auf gut Glück entscheiden und eine höhere Stufe anbieten. Andererseits kommt es auch vor, dass Kinder, die in der Grundschule hervorragende Leistungen gezeigt haben, in einem Gymnasium überfordert sind. Einige Bundesländer räumen dem Prozess der Entfaltung längere Zeit ein und schließen die Klassen 5 bis 6 auch noch in die Grundschule mit ein. Für jede Schülerin und für jeden Schüler wird eine Schullaufbahnempfehlung ausgesprochen, jedoch ist diese nicht zwingend. Je nach Schulform muss eine Aufnahmeprüfung abgelegt werden.

Orientierungsstufe

In den meisten Bundesländern gibt es die sogenannte Orientierungsstufe. Diese Stufe umfasst die Klassen 5 bis 6 und wird an einer Hauptschule, Realschule oder Gesamtschule mit einem gymnasialen Zugang durchgeführt. In diesen zwei Jahren wird definitiv entschieden, wie der Bildungsweg für den jeweiligen Schüler und die jeweilige Schülerin weitergeht. Der Unterschied zwischen den Schulformen findet eine Widerspiegelung in den unterschiedlichsten Lehrplänen, nach denen unterrichtet wird.

Schulbesuch und Schulabschlüsse nach der Orientierungsstufe

In der Hauptschule, der Realschule und dem Gymnasium ist der Unterricht grundsätzlich auf einen bestimmten Abschluss bezogen. Schularten mit zwei Bildungsgängen führen sowohl den Hauptals auch den Realschulbildungsgang, an Schularten mit drei Bildungsgängen (Gesamtschule genannt) gibt es darüber hinaus noch einen gymnasialen Bildungsgang. Während des Besuchs dieser Arten von Schulen zeichnet sich schon die Zukunft jedes/jeder Einzelnen ab.

Schülerinnen und Schüler der Hauptschule beenden die Schule mit Abschlussprüfungen in der 9. Klasse und erhalten ein Hauptschulzeugnis. Danach kann man sich der Ausbildung widmen. Dazu müssen die Jugendlichen jedoch zunächst eine Lehrstelle in einem Betrieb finden. Gelingt dies nichtund das gilt für viele der Schulabgänger/innen mit Hauptschulabschlussso müssen die Jugendlichen, zumal sie noch schulpflichtig sind, eine berufsvorbereitende Maßnahme absolvierendas Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) einer Berufsschule, um sich zu orientieren.

Nach der 10. Klasse der Realschule erlangen die jungen Menschen dieMittlere Reife“. Danach steht den Jugendlichen ein breites Spektrum an Wahlmöglichkeiten zu. Neben der Möglichkeit einer Ausbildung nach dem dualen Ausbildungssystem gibt es auch die Möglichkeit, die Hochschulzugangsberechtigung nach der 11. bzw. 12. Klasse eines Gymnasiums zu erreichen. Anstrebenswert ist jedoch das Abitur nach dem 12. bzw. 13. Schuljahr, je nach Bundesland.

Das Abitur öffnet viele Wege für die frisch gebackenen Erwachsenen. Sie können sich zwischen einem Studium an einer Fachhochschule, einer Universität oder anderen Schularten, die zu einem akademischen Grad führen, entscheiden. Sehr beliebt sind in letzter Zeit Berufsakademien, die berufsqualifizierende Studiengänge anbieten. Sie vermitteln in Form dualer Studiengänge wissensbezogene und zugleich auch eine praxisorientierte Berufsausbildung. Aber auch eine betriebliche Berufsausbildung nach dualem System ist ein möglicher Weg der Lebensgestaltung. Bei dieser Art der Ausbildung bekommt man das praktische Wissen in einer Ausbildungsfirma und das theoretische in einer Branchenberufsschule. Von der Ausbildungsfirma erhält der Auszubildende eine monatliche Vergütung seiner Arbeit, das sogenannte Lehrlingsgeld.

Mit der beruflichen Orientierung geht es in Deutschland früh los. Bestandteil einiger Schulpläne ist ein Schülerpraktikum. Während dieser Zeit versuchen sich die Schüler/innen in Arbeitsprozessen verschiedener Berufe. Es ist eine gute Möglichkeit herauszufinden, was einem liegt und was man nicht machen möchte. Ein Praktikum findet in der Regel in den Klassenstufen 8 bis 11 in Gesamtschulen statt.

Kinder mit körperlichen und geistigen Behinderungen werden sonderpädagogisch unterrichtet. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die einen solchen Förderbedarf haben, ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ziemlich hoch. Je nach Bundesland gibt es dazu bis zu elf unterschiedliche Typen von Förderschulen (z.B. Förderschulen für Gehörlose, Blinde, Kinder mit Sprachoder Lernbehinderung), die in einigen Bundesländern auch Sonderschulen, Förderzentren oder Schulen für Kinder mit Behinderung genannt werden. (Die meisten der Schülerinnen und Schüler schaffen am Ende nicht mal den Hauptschulabschluss.) Diese Jugendlichen haben es besonders schwer, ihren Start ins Leben zu schaffen. Einige von ihnen bleiben ihr Leben lang in sozialpädagogischer Betreuung in geschützten Einrichtungen und Werkstätten. Es steht ihnen immer ein Betreuer oder eine Betreuerin zur Seite und hilft Entscheidungen zu treffen. Umso mehr freut sich dann die Gesellschaft, wenn es einigen gelingt, ihren eigenen Weg zu gehen.

Bemerkung

Bezieht man sich beim Sprechen oder Schreiben auf eine Gruppe von Menschen, die Frauen und Männer umfasst, gibt es in der deutschen Sprache verschiedenen Möglichkeiten dies sichtbar zu machen. Während früher immer einfach die männliche Form (Schüler) geschrieben wurde, die aber auch Schülerinnen meinte, wird heutzutage vermehrt versucht beide Geschlechterformen in der Schriftsprache sichtbar zu machen. Möglichkeiten der Schreibweisen: Vollständige Paarform (die Schüler und die Schülerinnen), verkürzte Paarform ( die Schüler/innen), verkürzte Form mit BinnenI (die SchülerInnen, die LehrerInnen). Neben diesen Möglichkeiten gibt es für manchen Wörter auch geschlechtsneutrale Varianten, die genutzt werden können, um beide Geschlechter anzusprechen: die Studierenden, die Lehrenden, die Teilnehmenden).